Öffentlichkeitstraining
Gestern war es soweit. Mein erstes Öffentlichkeitstraining. Das bedeutete einfach nur, dass ich Bus oder Zug fahren lerne mit Krücken und Rollstuhl!
Es ging gut. Auch wenn wir den Bus gestern weggelassen hatten. Wir sind nur vom Therapiehaus bis zum Krankenhaus gehumpelt. Und dann beim Krankenhaus noch zur Krankenhauscafeteria. Da haben wir einen Kaffee getrunken und eine Pause gemacht. Die Pause hatte ich auch gebraucht. Meine Hände zitterten, mein Fuss pochte und ich wäre sonst fast umgekippt!
Wir sassen also da in der Cafeteria und es war extrem komisch, wieder da zu sitzen. Das letzte Mal war ich da, mit dem Schlauch im Bein und Hand! Doch dann kam so ne junge Frau in die Cafeteria mit einem verbundenen Fuss, im Rollstuhl. Ihre Miene zeigte schon, dass sie seeeeeeeeeeeeeeehr leidend war. Und dann noch das Seufzen….Als würde sie demnächst ins Gras beissen. Ich musste einfach lächeln darüber. Aber so Menschen gibts überall!
Wir sind danach wieder zurückgehumpelt. Es sind nicht so viele Meter. Vielleicht insgesamt 600. Aber vielleicht nicht einmal. Ich weiss es nicht. Es hat sich jedenfalls angefühlt als wären es 50 Kilometer!
Und heute büsse ich dafür. Meine Hände sind Wackelpudding, mein Fuss hat mich die halbe Nacht wachgehalten, meine Schultern sind der Horror und ich bin heute fast die Treppe runtergefallen. Ich hab geschwankt wie ein Seemann auf Landgang! Dafür nehmen wir das nächste Mal den Therapiehund mit. Darauf freu ich mich wie blöde! Mathilda ist ein dunkelbrauner Labrador und einfach nur süss und lieb!
Ausserdem will meine Ergotherapeutin jetzt dafür sorgen, dass ich amerikanische Krücken ausprobieren kann. Zur Entlastung der Hände. Mal schauen, ob wir das schaffen!
Wie war es für dich wieder draußen zu sein?
In der Cafeteria war es komisch sagst du… ich glaube das kann ich nachvollziehen.
Wurdest du auf diesen Gang vorbereitet? Die Schmerzen die du vom Nachhinein beschreibst, klingen ja alles anderes als erfreulich… wir lernen immer, dass man bis auf Ansnahmefälle nicht über die Schmerzgrenze hinaus mit Schmerzpatienten wie dir arbeitet…
Wenn ich zu neugierig bin, entschuldige ich mich hiermit dafür.
Grüße aus der Ferne.
Februar 10, 2012 um 21:29
Es war eigentlich schön, endlich mal wieder ohne Rollstuhl draussen zu sein. Aber dieses Gefühl hat sich nach ein paar Metern leider gelegt.
In der Cafeteria war es einfach sehr komisch, da ich mehr Zeit da verbracht habe seit 2010 als mir lieb ist. Es hat unschöne Erinnerungen geweckt.
Ich wurde nicht auf den Gang vorbereitet. Es hiess von der Invalidenversicherung, dass dies meine einzige Möglichkeit sei, wieder im Berufsleben integriert werden zu können. Also musste ich es tun, ob ich wollte oder nicht. Und die Schmerzen waren unerträglich. Leider sind die Schmerzen seit diesem Tag nicht zurückgegangen. Ich leide sehr darunter, da es mein Leben noch mehr einschränkt.
Ausserdem hat sich bis jetzt noch praktisch nie einer um meine Schmerzgrenze gekümmert. In der Reha und im Krankenhaus wurde ich immer wieder zum Schreien gebracht, weil die Schmerzen unerträglich waren, und trotzdem musste ich weitermachen.
Es ist schön, wenn sich jemand dafür interessiert. Denn meistens werden die Gefühle von Patienten nicht beachtet und es interessiert sich niemand dafür, wie es uns geht oder wie wir solche Dinge empfinden. Frag also nur soviel du willst.
Liebe Grüsse
Februar 10, 2012 um 21:50